Die Menschenfarm - Kapitel 1

 

Das ist das erste Kapitel eines Science-Fiction-Romanes, den ich bereits in einem Forum online gestellt habe, trotzdem aber hier gerne noch einmal posten würde. Hauptsächlich, weil ich ihn und andere Bücher, die ich in Zukunft veröffentlichen werde, gerne noch einmal übersichtlich gespeichert haben würde. (Müsst ihr jetzt nicht verstehen...)

Aber wenn jemand Lust hat, sich die Geschichte durchzulesen und ev. sogar einen Kommentar dazulassen - warum nicht?

 

Valentin:

Ich linse über den Bildschirm des Ordinators* zu Marcus hinüber, der gerade den Raum betritt. Oder General Marcus, wie er sich seit letzter Woche nennen darf. Ihm bedeutet der Titel nichts, aber ich bin ein bisschen stolz auf meinen Vorgesetzten.
General Marcus.
Ziemlich generalhaft sieht er auch aus, mit seiner aufrechten Körperhaltung und diesem Blick, der einem das Blut in den Adern gefrieren lassen kann, wenn man ihn nicht näher kennt (es kennen ihn nicht viele Leute besonders gut). Er wirkt immer so, als müsste er es jeden Moment mit der ganzen Welt aufnehmen. Und als wäre er auch jederzeit bereit dazu.
Kurz sieht er sich um. Als er feststellt, dass das Büro bis auf uns beide leer ist, seufzt er auf und die Anspannung fällt von ihm ab. Erschöpft lehnt er sich gegen seinen Schreibtisch. Sein besorgter Blick wandert zu den Unterlagen in seiner Hand. Die Laborergebnisse. Schnell wende ich mich wieder meiner Arbeit zu: einem Brief ans Ministerium, in dem ich um Sondererlaubnis für die Verwendung von C544-Hormone** bitten soll. In solchen Momenten sollte man ihn besser in Ruhe lassen.

Sehr geehrter Herr Minister für Menschenzucht, Menschenhaltung und Menschenschutz dem der Part mit dem Schutz so ziemlich egal ist, welcher aus diesem Grunde gut und gerne aus seinem sowieso viel zu langem Titel gestrichen werden könnte, wodurch man armen, unterbezahlten Sekretären wie mir unnötige Schreibarbeit ersparen könnte, tippe ich gelangweilt. Im Namen der MeFaNewMunichOAG möchte ich Sie und Ihre überflüssig lange Anschrift um eine weitere nicht schlecht finanzierte Erlaubnis zum Verstoß gegen ein paar wichtige Grundgesetze bitten, in dem unterwürfigstem Wissen, dass diese Nachricht von höchster Überflüssigstkeit ist, da Sie sowieso alles unterschreiben, was durchzulesen nicht allzu viel Ihrer kostbaren Zeit verschwendet, welche ich nun auch nicht länger in Anspruch zu nehmen gedenke. Formular wird anhänglich zugesendet, großzügige Spende schickt die Farmleitung Ihnen später persönlich zu, da offiziell von dieser zu wissen mir nicht gestattet ist.
Herzliche Grüße und ein paar insgeheime Morddrohungen,
MeFaNewMunichOAG, Labor für effizientere Menschenschändung und -quälerei, General Marcus Anna Garrik, Sekretär Valentin Herold Schmied.


Dann lösche ich die Zeilen schnell wieder und sehe mich um, ob mich jemand beobachtet hat. Aber es ist niemand hereingekommen und Marcus blättert immer noch die Testergebnisse durch. Seine Miene zeigt keine Gefühle. Trotzdem spüre ich seine Beunruhigung. Die Ergebnisse sind offensichtlich nicht gerade befriedigend für ihn ausgefallen.

Plötzlich öffnet sich die Tür. Eilig mache ich mich daran, den echten Brief zu schreiben. Mit einem kurzen Blick überzeuge ich mich, dass meine Vermutung richtig war: Es ist General Julius. Er ist als einziger so mutig, Marcus' Büro zu betreten, ohne vorher anzuklopfen. Marcus dreht sich mit eisiger Miene zu ihm um.

Sehr geehrter Herr Minister für Menschenzucht, Menschenhaltung und Menschenschutz,
Im Namen der MenschenfarmNewMunichOAG möchte ich Sie um Sondererlaubnis zur Verwendung von Hormonen, die unter das C544-Menschenschutzgesetz, Paragraph 1,7-78,0 fallen, sowie einiger der in diesen Artikeln genannten Antibiotika, bitten.


“Hallo, Marcus.”
“Hallo, Julius.”
“General Julius, wenn ich bitten darf.”
“General Markus. Dürfen Sie.”

Der derzeitige Gesundheits- und Entwicklungszustand unserer Zuchtmenschen macht den Einsatz dieser Mittel leider unbedingt notwendig,...

“Seit wann bekommt man fürs Rumsitzen und Menschen bei der Arbeit Zusehen den Generalstitel?”
“Wieder einmal beweisen Sie erschreckendes Unwissen, General Julius.”

...wenn es innerhalb der Aufzucht nicht zu größeren Ausfällen kommen soll, die die Lebensmittelversorgung des gesamten Landes in großem Maße betreffen würden.

“Ich bin hier, um Ihnen die Laborergebnisse von gestern vorbeizubringen. Ihre Tests scheinen keine verbesserten Daten zu bringen. Die Ergebnisse sind ungenauer geworden. Und an dem Fleischgehalt müssen Sie dringend arbeiten. Er liegt noch immer unter 30 Prozent. Wohingegen der Blutwassergehalt weit über dem vorgeschriebenen Maximum von 90% liegt. Außerdem ist die durchschnittliche Fluchtbereitschaft größer als bei der Konkurrenz.”

Unterlagen bezüglich dem derzeitigen Zustand unserer Zuchtmenschen...

“Sollten sie die Auswertung der Daten nicht lieber mir und meinem Sekretär...”

Ich zucke zusammen, ziehe den Kopf ein und tippe noch schneller.
...und dessen Auswirkungen auf die Lebensmittelversorgung des Landes wird Ihnen die Farmleitung nachträglich noch zusenden, da diese absoluter Geheimhaltung unterliegen. Das auszufüllende Formular...

“...überlassen und sich stattdessen um die neuen Schutzeinrichtungen kümmern? Es wäre mir sehr unwohl zumute, wenn die Farm gegen Angriffe von Wildmenschen nicht ausreichend geschützt wäre. Natürlich wäre ein Jagderfolg Ihrerseits letzte Woche hilfreicher gewesen, als ein halbfertiger Zaun, aber nun müssen wir sehen, dass wir mit der Situation klarkommen, nicht wahr?”
Julius Gesicht verzieht sich zu einer wütenden Grimasse.

...mit der Sondererlaubnis bekommen Sie anhänglich zugeschickt.
Hochachtungsvoll,...


“Wenn Sie Ihren Hintern einmal aus diesem Büro rausbekommen würden und die Wildnis betreten würden, dann könnten Sie vielleicht irgendwann über Jagderfolge reden.”

...MenschenfarmNewMunichOAG, Labor für effizientere Menschenzucht, General Marcus Anna Garrik, Sekretär Valentin Herold Schmied.

“Und wenn Sie einmal eine jahrelange Studie durchgeführt haben, Tests entwickelt und unter dem Mikroskop tausende von Ihnen erfundene Hormone verglichen haben, die Wirkung jedes Einzelnen überprüft, Tage und Nächte in die Wissenschaft gesteckt und für das Wohl zukünftiger Generationen geopfert haben, dann haben Sie vielleicht das Recht, über meinen Hintern zu reden. Bis dahin: Auf Wiedersehen.”

Ich füge das übliche Formular als Anhang hinzu und drücke auf Senden.
Die Tür fällt mit einem lauten Knall ins Schloss. Marcus und ich sind wieder allein.


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*Postapokalyptisches Wort für eine Art Computer
**Gesundheitsgefährdende Hormone, die den Fleischgehalt in einem Körper steigern, die Fruchtbarkeit erhöhen oder besonders widerstandslos machen sollen; größtenteils verboten in den Paragraphen 1,7-78,0 im C544-Menschenschutzgesetz, Artikel 6650, Neues Grundgesetzbuch.

15.6.15 21:04

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